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„Tiefe Spuren hinterlassen“ –

Die Columba-Neef-Realschule verabschiedet Schwester Dagmar

Neustift. Ein Tag voller Dankbarkeit, bewegender Erinnerungen und manch heiterem Augenblick: Am 13. Oktober 2026 verabschiedete die Columba-Neef-Realschule Neustift Schwester Dagmar, die über fünf Jahrzehnte hinweg das Schulleben entscheidend mitgestaltet hat. Die Feier war bis ins Detail vorbereitet worden, ohne dass die Jubilarin davon wusste. Umso größer war die Überraschung, als sich nach der Pause die Turnhalle mit der gesamten Schulfamilie füllte. Neben Schülerinnen, Lehrkräften und Mitarbeitenden waren Vertreterinnen des Klosters Neustift, des Elternbeirats sowie zahlreiche ehemalige Wegbegleiter gekommen, um ihre Verbundenheit auszudrücken.

Musikalisch begleitet von der Lehrerband zog Schwester Dagmar in die Turnhalle ein und wurde mit herzlichem Applaus empfangen. Was folgte, war eine abwechslungsreiche Würdigung ihres langjährigen Wirkens – getragen von persönlichen Geschichten, liebevollen Anekdoten und der spürbaren Wertschätzung aller Anwesenden.

Die Priorin des Klosters Neustift, Schwester Gabriele, zeichnete in ihrer Ansprache den Lebensweg der heute 80-jährigen Ordensfrau nach. Nach ihrem Studium der Sozialpädagogik in Freiburg hatte Schwester Dagmar zunächst geplant, in einem Kindergarten zu arbeiten. Doch 1976 führte sie ihr Weg an die Columba-Neef-Realschule, wo sie bis zum Jahr 2000 zusätzlich im Internat tätig war. Aus einer beruflichen Aufgabe wurde eine Lebensaufgabe: Die Begleitung junger Menschen entwickelte sich zu ihrer Berufung. Schwester Gabriele ordnete diesen Beginn auch in den gesellschaftlichen Kontext ein. Das Jahr 1976 war in der Bundesrepublik von Veränderungen geprägt, insbesondere hinsichtlich der Stellung und Rechte von Frauen. Während sich die Gesellschaft wandelte, begann Schwester Dagmar ihren Dienst an der Schule – und sollte deren Entwicklung über Jahrzehnte hinweg mitbestimmen. Dass ihre Bedeutung weit über die offiziellen Aufgaben hinausging, verdeutlichte die Priorin mit einem augenzwinkernden Vergleich zum Lied „Die kleine Kneipe“. Schwester Dagmars Zimmer Nummer 14 war für Mitschwestern aber auch für Kolleginnen und Kollegen ein beliebter Anlaufpunkt: Hier wurde geredet, Rat gesucht und manches Anliegen besprochen. Wer ein Geschenk brauchte, konnte ebenfalls auf ihre Unterstützung zählen – etwa in Form selbst gemachter Kerzen oder Karten. So wurde der Raum zu einem Ort der Begegnung, an dem stets Zeit für andere zu sein schien. Schwester Gabriele brachte die Wirkung dieses langjährigen Engagements treffend auf den Punkt: Schwester Dagmar habe tiefe Spuren hinterlassen.

Wie eng die Verbindung zu den Schülerinnen ist, zeigte sich beim Beitrag der SMV. Die drei Schülersprecherinnen Laura Ungnadner, Veronika Weiß und Julia Probst überreichten ein liebevoll vorbereitetes Wunschglas. Jede Schülerin hatte einen persönlichen Wunsch für Schwester Dagmar auf einen Zettel geschrieben. Daraus entstand ein Geschenk, das weit über den Festtag hinaus Freude bereiten soll: Künftig kann sie täglich einen neuen Wunsch ziehen und sich daran erinnern, wie viele Menschen an sie denken. Zugleich nutzten die Vertreterinnen der Schülerschaft die Gelegenheit, um für ihre langjährige Unterstützung und Begleitung zu danken.

Anschließend wurde es musikalisch und zugleich humorvoll. Alle Schülerinnen trugen ein selbst gedichtetes Lied mit dem Titel „Was muss das für eine Schwester sein …“ vor. Mit viel Einfallsreichtum und spürbarer Zuneigung brachten sie darin zum Ausdruck, was Schwester Dagmar für sie bedeutet. Der Auftritt sorgte für Schmunzeln und bewegte zugleich – schließlich steckte in jeder Zeile ein Stück gemeinsamer Schulgeschichte.

Auch die Mitarbeitervertretung ließ es sich nicht nehmen, ihre langjährige Wegbegleiterin persönlich zu würdigen. Frau Wolf und Frau Wolff-Geisberger beschrieben sie in ihrer Rede als „Seele der Schule“. Der Abschied falle schwer, denn Schwester Dagmar habe nicht nur ihre Aufgaben zuverlässig erfüllt, sondern durch ihre offene Art, ihre Hilfsbereitschaft und ihre menschliche Wärme das Miteinander entscheidend bereichert.

Im Namen des Elternbeirats sprach Frau Schneider. Sie griff die Bedeutung des Vornamens Dagmar auf, der unter anderem mit „die Wertvolle“ verbunden wird. Diese Deutung passe sinnbildlich zu den Leistungen der Ordensfrau: Ihr Wert zeige sich nicht allein in den vielen übernommenen Aufgaben, sondern ebenso in den Beziehungen, die sie geknüpft, und den Menschen, die sie unterstützt habe.

Einen besonders persönlichen Dank überbrachten die Schülerinnen des offenen Ganztags (OGS), den Schwester Dagmar betreute. Ihre Worte machten deutlich, wie wichtig ihre Begleitung für die Mädchen war. Auch ehemalige Lehrkräfte erinnerten sich an gemeinsame Erlebnisse und ließen Geschichten aus vergangenen Jahren wieder aufleben. Dabei wurde sichtbar, wie viele Generationen durch ihre Arbeit miteinander verbunden sind.

Zum Abschluss der Redebeiträge ergriffen Direktorin Verena Ratzenböck und Konrektor Andreas Karl das Wort. Die Schulleitung würdigte die außergewöhnlichen schulischen und menschlichen Verdienste Schwester Dagmars und bezeichnete sie als „Fundament der Schule“. Über Jahrzehnte hinweg habe sie mitgetragen, gestaltet und Orientierung gegeben. Ihre Haltung und ihr Einsatz hätten Werte vermittelt, die sich nicht allein in Worten ausdrücken lassen, sondern vor allem im täglichen Handeln sichtbar werden.

Sichtlich bewegt bedankte sich Schwester Dagmar anschließend selbst. In ihrer kurzen Ansprache brachte sie ihre Dankbarkeit für die gelungene Überraschung, die persönlichen Worte und die vielen Zeichen der Zuneigung zum Ausdruck. Dass sie von den Vorbereitungen nichts geahnt hatte, verlieh diesem Moment eine besondere Authentizität. Ihre Reaktion zeigte, wie tief sie die Aufmerksamkeit und Anerkennung der Schulfamilie berührten.

Ein gemeinsames Segenslied bildete den feierlichen Abschluss in der Turnhalle. Beim anschließenden Stehempfang in der Glashalle blieb Zeit für persönliche Gespräche, herzliche Umarmungen und weitere Erinnerungen. So klang ein Vormittag aus, der nicht nur Rückschau hielt, sondern auch die Verbundenheit zwischen Schwester Dagmar und ihrer Schule spürbar machte.

75 Jahre Schulgeschichte bestehen aus unzähligen Begegnungen, Erfahrungen und Lebenswegen. Schwester Dagmar hat einen bedeutenden Teil davon mitgeschrieben. Ihr Wirken zeigt sich in den Erinnerungen ehemaliger Schülerinnen, im Vertrauen ihrer Kolleginnen und Kollegen und in der Dankbarkeit der heutigen Schulgemeinschaft. Auch wenn ein langjähriger Abschnitt nun zu Ende geht, bleiben die Werte, die sie vorgelebt hat, und die Spuren, die sie hinterlassen hat, lebendig.

Text: Herbert Groll

Fotos: Birgit Wolff-Geisberger

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